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© Jvdwolf | Dreamstime.com
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13/02/2017

Dow verlegt Zentrale nach Wiesbaden

Das amerikanische Unternehmen Dow Chemical verlegt seine deutsche Unternehmenszentrale von Schwalbach am Taunus an seinen Standort in Wiesbaden. Ihn habe man im Rahmen eines Joint Ventures seit 1983 zusammen mit dem Unternehmen Corning betrieben, im vergangenen Jahr aber vollständig übernommen, berichtete der für das Geschäft in Deutschland verantwortliche Präsident Willem Huisman am Donnerstag. In dem im Wiesbadener Stadtteil Schierstein am Rheinufer gelegenen Werk werden spezielles Silikon, Kleb- und Schmierstoffe produziert. Weil es Dow nun allein gehöre, sei es unternehmerisch sinnvoll, die Ressourcen an einem Standort zusammenzuführen, erklärte Huisman.

Man habe sich für Wiesbaden entschieden, weil das dortige Werk sich nun vollständig im Eigentum des Konzerns befinde, während der bisherige deutsche Hauptsitz in Schwalbach in einer gemieteten Immobilie untergebracht sei. Nach Huismans Angaben sind in Wiesbaden bislang 340 Mitarbeiter beschäftigt, davon ungefähr 200 in der Produktion und 40 in der Abteilung für Forschung und Entwicklung.

Von Importzöllen „nicht begeistert“

Drei Verwaltungsgebäude werden um- und ausgebaut, eines soll zusätzlich entstehen, so dass 220 neue Büroarbeitsplätze für die Beschäftigten aus Schwalbach geschaffen werden. Die Autofahrt zwischen beiden Standorten dauert eine gute halbe Stunde. Der Umzug der Mitarbeiter ist für die zweite Hälfte des nächsten Jahres vorgesehen. Dann sollen an der Rheingaustraße insgesamt 560 Menschen arbeiten.

In Deutschland erwirtschafteten rund 5000 Mitarbeiter im vergangenen Jahr nach den Angaben des Unternehmens an 16 Standorten einen Umsatz von knapp drei Milliarden US-Dollar. „Wir wollen auf jeden Fall wachsen“, kündigte Huisman am Donnerstag an. Deutschland ist für Dow der zweitgrößte Produktionsstandort und Absatzmarkt. Weltweit beschäftigt der Konzern rund 56 000 Mitarbeiter. Gegen Ende des vergangenen Jahres hatte er angekündigt, sich mit dem amerikanischen Konkurrenten Dupont zum größten Chemiekonzern der Welt zusammenzuschließen. „Wir wären dann größer als BASF“, sagte Huisman am Donnerstag. Er wies allerdings darauf hin, dass die Fusion noch nicht genehmigt sei.

Angesprochen auf die Bedeutung des Wechsels im Weißen Haus, meinte Huisman, es sei ein gutes Zeichen, wenn der neue Präsident ankündige, die Wirtschaft vorantreiben und Jobs schaffen zu wollen. Andererseits sei man bei Dow „überhaupt nicht begeistert“ von Importzöllen. Über die Art, wie Donald Trump sich ansonsten gebärde, werde er sich nicht auslassen, sagte Huisman.

Neue Busverbindung

Er berichtete, dass Andrew Liveris, der Vorstandschef des Unternehmens, heute wie schon zu Barack Obamas Zeiten einem Gremium angehöre, das den Präsidenten in wirtschaftspolitischen Fragen berate. „Wir sind da nahe dran“, sagt Huisman. Es gehe darum, dem Präsidenten die Interessen der Industrie zu erläutern. Der Manager äußerte sich in einer Pressekonferenz, zu der Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) und Wirtschaftsdezernent Detlev Bendel (CDU) ins Rathaus geladen hatten. Es sei „ein schöner Tag für Wiesbaden“, freute sich der Sozialdemokrat.

Wenn Dow sich in Schierstein weiterhin in Forschung und Entwicklung engagieren und wachsen wolle, böten sich der Stadt damit langfristige Perspektiven. Gerich merkte an, dass das Unternehmen seinen Sitz von Schwalbach nach Wiesbaden verlagere, obwohl es dort mehr Gewerbesteuern zahlen müsse. Der Hebesatz beträgt in der Landeshauptstadt 454 Prozent, in Schwalbach 350 vom Hundert. Huisman und Bendel berichteten, dass die Stadt dem Unternehmen beispielsweise im Hinblick auf die Infrastruktur entgegengekommen sei. So schaffe die kommunale Verkehrsgesellschaft eine neue Busverbindung, um das Firmengelände besser an das Netz des öffentlichen Personennahverkehrs anzuschließen.



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