Hessen gehört zu den wirtschaftsstärksten Bundesländern Deutschlands und ist eine der dynamischsten Wirtschaftsregionen in ganz Europa. Um diese Position weiter auszubauen, setzt Hessen auf die Förderung innovativer Technologien. Hessen-Biotech News sprach mit dem hessischen Wirtschaftsminister Dieter Posch über die Bedeutung der Biotechnologie für den Standort Hessen.
Herr Staatsminister Posch – was macht den Standort Hessen für die Biotechnologiebranche so attraktiv?
Hessen bietet exzellente Forschungseinrichtungen, engagiert sich erheblich für den Nachwuchs und fördert innovative Technologien. Dies hat dazu beigetragen, dass Hessen einer der führenden Biotechnologiestandorte in Europa geworden ist. Darüber hinaus ist die chemisch-pharmazeutische Industrie in Hessen traditionell stark. Sie ist nach der Elektroindustrie zweitgrößter Arbeitgeber unter den hessischen Industriebranchen.
Mittlerweile erzielt sie mit pharmazeutischen Erzeugnissen die Hälfte ihres Umsatzes. Wie fördern Sie diese positive Entwicklung?
Zur Weiterentwicklung des Biotechnologiestandortes Hessen stärken wir die Technologie-Infrastruktur und die Vernetzung der Branche. Außerdem unterstützen wir auch mit gezielten Finanzierungshilfen. Wir fördern beispielsweise Forschungs- und Entwicklungsprojekte kleiner und mittlerer Unternehmen mit Zuschüssen, um innovative Ideen schneller in marktfähige Produkte umzusetzen. Mit der Aktionslinie Hessen-Biotech haben wir eine zentrale Informations-, Kommunikations- und Kooperationsplattform etabliert, die der Branche als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Unternehmensgründungen in den Life Sciences fördern wir unter anderem als Public-Private Partnership gemeinsam mit Sanofi in der Gründerinitiative Science4Life.
Und dieser Einsatz zahlt sich aus. Die hessische Biotech-Branche wächst stetig. Wie sehen Sie die Bedeutung der Branche in Zukunft?
Die Biotechnologie spielt in Chemie und Pharma eine immer größere wirtschaftliche Rolle. Schon heute sind in Hessen 225 Biotechnologie-Unternehmen tätig. Insgesamt 19.500 Beschäftigte zählt die Branche. Die Biotechnologie ist auf Wachstumskurs und wird in hohem Maße zu Innovationen in der pharmazeutischen und chemischen Industrie, im Agrarbereich und auch in der Medizintechnik beitragen. Sie hat auch großes Potenzial für die Nutzung nachwachsender Rohstoffe und erneuerbarer Energien.
Was macht den Biotechnologiestandort Hessen Ihrer Meinung nach einzigartig im nationalen Wettbewerb?
Hessen ist der Standort der produzierenden Biotechnologie, hier konzentriert sich ein Drittel der deutschen Produktionskapazitäten. Schon dadurch unterscheiden wir uns von anderen Ländern. Darüber hinaus ist in Hessen die gesamte Wertschöpfungskette der Branche – von Forschung und Entwicklung über Produktion, Dienstleistung und Vertrieb – vertreten. Diese Vielfalt zeigt sich auch in der Struktur der hessischen Biotechnologieunternehmen. Hessen zeichnet sich sowohl durch eine Vielzahl von forschungsaktiven Kleinbetrieben als auch durch zahlreiche große forschende und produzierende Unternehmen aus. Dieses einzigartige Profil ist die Grundlage für eine enge Vernetzung der Firmen untereinander, aber auch mit renommierten Hochschulen und Forschungsinstituten in ihrer Umgebung.
Worin sehen Sie zukünftig Ihre Aufgabe, wenn es um die Weiterentwicklung des Biotechnologiestandortes Hessen geht?
Wir möchten Forschern und Unternehmern in Hessen die optimalen Rahmenbedingungen bieten, damit sie aus ihren Ideen marktfähige Innovationen entwickeln können. Denn sie sind es, die für die Vielfalt und Innovationskraft des Biotechnologiestandorts Hessen stehen und ihn mit Leben füllen.
www.hessen-biotech.de Hessen Biotech News 1/2012