Im Fokus der aktuellen Studie der Hessen Agentur stehen mögliche Pilotvorhaben in der Messeförderung für Unternehmen aus den Sparten Kommunikationsdesign, Modedesign, Produktdesign, künstlerisches Handwerk, Innenarchitektur.
Die Kreativwirtschaft gilt als eine der Zukunftsbranchen Europas mit großem Innovations- und Wachstumspotential. Insbesondere für die Entwicklung europäischer Städte und Stadtregionen ist sie im letzten Jahrzehnt immer bedeutender geworden.
In Deutschland erzielte die Kreativwirtschaft im Jahr 2007 einen Umsatz in Höhe von rund 128 Mrd. Euro, ein Zuwachs gegenüber dem Jahr 2006 um mehr als 3 Prozent.
1 Mio. Erwerbstätige sind mittlerweile in diesem Wirtschaftsbereich tätig. Auch die hessischen Berichte zur Kultur- und Kreativwirtschaft haben gezeigt, dass diese Branche ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und ein wichtiges Beschäftigungsfeld ist. In Hessen stellt die Kreativwirtschaft mit rund 38.000 Unternehmen 15 % aller umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen und mit rund 130.000 Erwerbstätigen 6% aller Erwerbstätigen. Mit gut. 22 Mrd. Euro trug die Kreativwirtschaft im Jahr 2007 (2006 21 Mrd. Euro) rund 5 % zum Umsatz der hessischen Gesamtwirtschaft bei. Damit ist ihr Umsatz höher als beispielsweise der des in Hessen ansässigen Fahrzeugbaus.
Die Hessen Agentur skizzierte in einer ersten Studie zur Kreativwirtschaft (Creative Industries in Hessen), die sie Ende 2008 im Auftrag des Hessische Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung erarbeitete, deren wirtschaftliche Bedeutung und ihre Potenziale. Die Studie trug wesentlich zur Verbesserung der Informationsbasis über die ökonomische Bedeutung und Struktur dieses relativ jungen Wirtschaftssektors in Hessen bei.
Unter den Branchen mit hohem kreativen Anteil wurden in der damaligen Studie vor allem Werbung und Public Relations(PR), Verlagswesen sowie Software- und Games identifiziert, die in Hessen nicht nur einen erheblichen Anteil am Umsatz haben, sondern in Hessen auch – gemeinsam mit den Bereichen Design und künstlerisches Handwerk, Architektur und Innenarchitektur, Dokumentarfilm und Postproduction - durch zahlreiche Institutionen, Hochschulen und Netzwerke sowie renommierte Veranstaltungen und Messen positioniert sind.
In einer nun vorliegenden zweiten Studie zur Kreativwirtschaft (Creative Industries) in Hessen wurden mögliche Pilotvorhaben in der Messeförderung - insbesondere für die inhaltlich breit aufgestellte und stark vernetzte Zielgruppe „Unternehmen aus den Sparten Kommunikationsdesign, Modedesign, Produktdesign, künstlerisches Handwerk, Innenarchitektur“ - identifiziert und konkretisiert.
Die in der Studie heraus gearbeiteten Vorschläge zielen darauf ab, den Standort Hessen im Bereich Werbung, Design, Kunsthandwerk wirtschaftlich zu stärken und wirksamer zu präsentieren und insbesondere jungen kreativen (Kleinst-)Unternehmen aus diesem Segment die Teilnahme an Messen über die bestehende Messeförderung des Landes zu erleichtern.
Dabei werden mehrere strategische Ansätze benannt:
Die Messeförderung wird intensiviert, indem der Katalog der förderfähigen Messen erweitert wird. Insbesondere das bisher der Messeförderung als zugrunde liegende Portal, welches gerade die kleineren Messen und Treffen nicht listet, erwies sich als Referenz für eine potenzielle Förderung von Unternehmen der Kreativwirtschaft als nicht mehr ausreichend.
Die Anzahl der Messen aus Themenfeld Werbung, Design, Kunsthandwerk, die in Hessen stattfinden, erhöht sich in den nächsten Jahren. Dies kann beispielsweise dadurch erreicht werden, dass erfolgreiche Messen für den Standort Hessen gewonnen werden oder gänzlich neue Messen am Standort Hessen ins Leben gerufen werden.
Ein erster Erfolg konnte bereits erzielt werden: Das ADC Festival - Gipfel der Kreativität - konnte mit Unterstützung des Landes kürzlich für den Standort Frankfurt gewonnen werden: Das Festival des Art Directors Clubs, das seit 1994 ununterbrochen in Berlin zu Hause war, ist das größte Treffen der Werbe- bzw. Kommunikationsbranche in Deutschland und findet nun im Mai 2010 und in den Folgejahren 2011 und 2012 in Hessen statt.
Darüber hinaus sollten die in Hessen bestehenden messeähnlichen Ansätze sowie lokalen und regionalen Netzwerke in ihrer Weiterentwicklung unterstützt werden. In zahlreichen Städten des Rhein Main Gebiet und in Kassel werden bereits viel versprechende Ansätze u.a. mit Veranstaltungen oder Atelier- und Agenturpräsentationen verfolgt oder geplant. Beispiele sind der Creative Industries Summit Offenbach/ Frankfurt (2008) in Offenbach, eine in Wiesbaden im Frühjahr 2011 geplante nationale Fachmesse unter Schirmherrschaft des Deutschen Designer Club e.V. im Zusammenhang mit den bestehenden „Designtagen“, Kreativtage oder Tage der offenen Tür bei Agenturen in Kassel, Frankfurt, Wiesbaden und Offenbach u.v.a.
Die Erschließung dieses Wachstums- und Innovationspotenzials der Kreativwirtschaft ist im Rahmen der Wirtschaftsförderung von großer Bedeutung. Generell wird die verstärkte Förderung der Kreativwirtschaft von Landesseite, empfohlen, insbesondere in der Rhein-Main-Region, sowie die verstärkte Einbeziehung der Bereiche Werbung, Design, Kunsthandwerk als profilgebende Potenziale und gegebenenfalls als Cluster in das Standortmarketing des Landes.
Kontakt: Susanne.Piesk@hessen-agentur.de